Am 29. Juli wäre der frühere Freilassinger Bürgermeister Karl Rittmann 150 Jahre alt geworden. Zum Gedenken an den SPD-Politiker, der die Geschicke der früheren Gemeinde Freilassing vor und nach dem Zweiten Weltkrieg geleitet hatte, besuchten Erster Bürgermeister Markus Hiebl und Zweite Bürgermeisterin Bettina Oestreich sein Grab in Salzburghofen und legten im Namen der Stadt Freilassing einen Kranz nieder.
Bürgermeister, politisch Verfolgter, Rehabilitierter
1876 in einem Vorort von Dresden geboren kam Karl Rittmann 1912 als Geschäftsführer der genossenschaftlichen „Konsumgesellschaft“ nach Freilassing, um dort einen neuen Standort des Unternehmens aufzubauen. Kurz darauf wurde unter seinem Mitwirken der SPD-Ortsvereins gegründet.
Er war ab Juni 1919 Bürgermeister der damaligen Gemeinde Salzburghofen-Freilassing und wurde 1925 als Berufsbürgermeister eingestellt.
In dieser Zeit wurde kräftig investiert: Unter anderem wurden 1925 das neue Krankenhaus und 1927 das Feuerwehrhaus (heute Stadtmuseum) in Betrieb genommen, 1927 war die Wiedereröffnung der Überfuhr am Saalachspitz, 1928 fand die Eröffnung des Schwimmbads Brodhausen statt, die Gemeinde gab einen Zuschuss an den Vinzentiusverein für den Bau des ersten Kindergartens Freilassings und 1930 war die Eröffnung der gemeindlichen Sparkasse. In Rittmanns Amtszeit fiel auch die Umbenennung der Gemeinde Salzburghofen in die Gemeinde Freilassing im Jahr 1923.
Vom NS-Regime verfolgt
Mit der Machtergreifung des NS-Regimes begann für Karl Rittmann eine jahrelang andauernde Verfolgung. 1933 wurde er gemeinsam mit mehreren Gemeinderatsmitgliedern zum ersten Mal verhaftet. Insgesamt dreimal wurde er „in Schutzhaft genommen“, so die offizielle Bezeichnung. Die längste Haftstrafe musste er 1936 im KZ Dachau erleiden: Erst nach 202 Tagen kam er wieder frei.
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs setzten die US-amerikanischen Besatzer Karl Rittmann erneut als Bürgermeister Freilassings ein. Sie erkannten in dem politisch Verfolgten Rittmann einen überzeugten Gegner des Nationalsozialismus. Am 20. Juni 1946 berief er die erste Gemeinderatssitzung nach dem Krieg ein und ging mit seinem Gremium die ersten Schritte in der neuen, jungen Demokratie der Nachkriegszeit. 1947 trat der mittlerweile 70-Jährige endgültig zurück.
Gedenken an Rittmanns Geburtstag
Der Besuch am Grab des Amtsvorgängers war für Markus Hiebl und Bettina Oestreich gleichermaßen wichtig. „Karl Rittmann war eine prägende Persönlichkeit für Freilassing und hat als Bürgermeister vieles angestoßen und umgesetzt, was in unserer Stadt noch heute sichtbar ist“, hebt Markus Hiebl das Wirken Rittmanns hervor.
Ergänzend würdigt Bettina Oestreich den außergewöhnlichen Mut des politisch Verfolgten: „Er hat trotz großer Bedrängnis seine Überzeugung niemals aufgegeben.“ Zum Gedenken entzündeten beide eine Kerze und legten im Namen der Stadt Freilassing einen Kranz nieder.

