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Stadt Freilassing
 

Energieverbund Freilassing - Phase 3

Phase 3: Errichtung des Energieverbunds Freilassing

Projektlaufzeit: April 2018 –

Projektbeschreibung:

Die Stadt Freilassing plant zur Versorgung kommunaler Liegenschaften (u.a. Grund- und Mittelschule, Freizeitbad Badylon, Kläranlage) den Aufbau eines Wärmeverbunds mit Kraft-Wärme-Kopplung und Biomasse. Die Versorgung soll über einen innovativen Biomassekessel erfolgen, der auch städtische Grüngutabfälle verwerten kann. Ergänzend sollen KWK-Anlagen zum Einsatz kommen, die primär mit Klärgas aus der kommunalen Kläranlage versorgt und Erdgas als zweitem Brennstoff betrieben werden. 

Aus dem Zusammenschluss der Liegenschaften über ein Wärmenetz mit 936 m Länge ergibt sich bei einer Spitzenleistung von 1,6 MW eine hohe spezifische Netzbelegungsdichte von 3.860 kWh/m pro Jahr. Der Netzverlust beträgt lediglich 5,2 % (siehe Abbildung 2). Aufgrund aktuell niedriger Erdgaspreise lassen sich jedoch selbst solch hocheffiziente Wärmeverbünde mit hoher Wärmebelegungsdichte ohne ergänzende Maßnahmen wirtschaftlich nur schwer darstellen. Vor diesem Hintergrund soll parallel zum Wärmeverbund ein in dieser Form bisher einmaliger Stromverbund mit mehreren über das Stadtgebiet verteilten kommunalen Liegenschaften aufgebaut werden. Dabei werden die kommunalen Liegenschaften über im Eigentum der Stadt befindliche Niederspannungsleitungen zusammengeschlossen und über einen gemeinsamen Netzverknüpfungspunkt mit dem öffentlichen Mittelspannungsnetz verknüpft. Die elektrische Versorgung erfolgt über mehrere Photovoltaikanlagen an verschiedenen Standorten und über die Blockheizkraftwerke (BHKW) an der Kläranlage. Die über die Ortschaft verteilten Liegenschaften bilden aus energierechtlicher Sicht ein eigenes Areal, das sich vollständig selbst mit Wärme und zum großen Teil selbst mit Strom versorgt. 

Als flexible Erzeuger sollen bivalente Gas-BHKW zum Einsatz kommen, die zwischen den vor Ort verfügbaren Gasarten (Erdgas und Klärgas) umgeschaltet werden können. Vorrang haben dabei stets die vor Ort verfügbaren regenerativen Ressourcen (Solarenergie und Klärgas). Sollten diese nicht mehr ausreichen, wird

die Lücke über fossile Energieträger mit möglichst niedrigem CO2-Ausstoß und günstigem Primärenergiefaktor ausgeglichen (Erdgas). 

Ziel des Vorhabens ist die Demonstration eines hocheffizienten kommunalen Strom- und Wärmeverbunds, der über die Nutzung vor Ort vorhandener Energieträger und eine flexible bedarfsgeregelte Steuerung einen hohen Autarkiegrad erreicht, ohne zusätzliche elektrische Speicher oder eine elektrisch-thermische Sektorkopplung (Power-to-Heat) zu benötigen. Das Modell ist damit ein Gegenentwurf zu elektrischen Großspeichern, die derzeit in einzelnen Kommunen zwar bereits umgesetzt werden, jedoch noch sehr kostspielig und ressourcenintensiv in der Herstellung sind. Sofern erfolgreich, kann das in Freilassing umgesetzte Modell als Blaupause für eine Vielzahl weiterer bayerischer Kommunen dienen, die ihre vor Ort vorhandenen regenerativen Ressourcen bestmöglich nutzen und ihre Energiekosten senken wollen, ohne in bisher noch sehr teure (Batterien) oder exergetisch ineffiziente (Power-to-Heat) Speichertechnologien investieren zu müssen.