Biowärme

Projekt "Biomasseheizkraftwerk Freilassing"

Biomasseheizkraftwerk

Deutlicher denn je wurde auf der  Klimakonferenz in Kopenhagen sichtbar: Jeder Einzelne muss seinen noch so bescheidenen Beitrag zur weltweiten Verminderung der Erderwärmung leisten. Es gilt, die Möglichkeiten und Chancen zu nutzen, die sich bereits heute bieten.

Die Stadt Freilassing will diesen Weg gehen: Mit großer Mehrheit sprach sich der Stadtrat sowohl für die energetische Sanierung der bestehenden städtischen Gebäude – die Hauptschule wird sogar im Passivhausstandart saniert – als auch für die Nutzung der nachwachsenden Rohstoffe zur eigenen Energiegewinnung aus.

Die Stadt Freilassing wollte auch mit einem Biomasseheizkraftwerk einen aktiven Beitrag zur Zukunft unserer nachfolgenden Generationen, unserer Kinder und Kindeskinder, leisten. Das Projekt "Biomasseheizkraftwerk" wurde jedoch mit dem Bürgerentscheid vom 20. Juni 2010 abgelehnt.

Die energetische Sanierung der bestehenden Häuser und Gebäude in Freilassing wird voranschreiten. Das ist wichtig, denn die „beste Energie“ ist die nicht verbrauchte Energie. Wir müssen aber realistisch sein und bedenken, dass es noch Jahre oder Jahrzehnte dauern wird, ehe alle Häuser saniert und damit geringere Energieverbraucher sind. Die Stadt setzte sich zum Ziel, auch im Bereich der Energieversorgung das Machbare zu leisten, um die drängenden Klimaprobleme vor Ort und in kleinen Schritten anzugehen und dem klimaschädlichen CO2-Ausstoß entgegen zu wirken.

Eine nachhaltige Gestaltung unserer heimischen Energieversorgung spricht dafür, unabhängig von den weltweiten Energiekonzernen und den Turbulenzen an den Weltmärkten zu werden sowie die Abhängigkeiten von Krisenregionen zu minimieren. Denn nach wie vor beziehen wir unser Öl und Gas aus Gebieten, die über den gesamten Erdball verstreut in politisch unsicheren Regionen liegen. Das vom Stadtrat avisierte Biomasseheizkraftwerk wäre eine zukunftsfähige Lösung: Die Haushalte erhalten eine versorgungssichere, umweltfreundliche und wirtschaftliche Wärmeversorgung: Holz ist als Brennstoff CO2-neutral und ist ein nachwachsender, heimischer Energieträger.

Stadtrat für die Umsetzung des Projektes "Biomasseheizkraftwerk"

Am 14. Dezember 2009 beschloss der Freilassinger Stadtrat mit klarer Mehrheit die Umsetzung des Projektes "Biomasseheizkraftwerk" allein oder gemeinsam mit geeigneten Partnern. Außerdem beschloss der Stadtrat, die städtischen Gebäude nach und nach an diese Fernwärmeversorgung anzuschließen.

Biomasseheizkraftwerk Freilassing

Weiterhin wurde eine Verbundlösungen bei der Fernwärmeversorgung geprüft, was am 8. März 2010 zum Beschluss über die Zusammenarbeit mit der Salzburg AG beim Bau und Betrieb des geplanten Biomasseheizkraftwerks in Freilassing führte:

Die Stadt Freilassing und die Salzburg AG wollten eine gemeinsame Gesellschaft gründen, an der Freilassing mit 51 Prozent die Mehrheit hätteund die Salzburg AG zu 49 Prozent beteiligt sei. Der Vorsitz der Gesellschafterversammlung läge bei der Stadt Freilassing, die entsprechend der Geschäftsanteile auch 51 Prozent der Stimmen hätte.

Darstellung des jahreszeitlichen Verbrauchs

Technisch gesehen beinhaltete die geplante Verbundlösung ein leistungsstarkes Heizkraftwerk mit einer  Wärmeleistung von 7,85 Megawatt und einer Stromerzeugung von 1,86 Megawatt. Da dieses Heizkraftwerk auch eine Brennwertnutzung durch Rauchgaskondensation erlaubt hätte, stünden zusätzliche 2 Megawatt Wärmeleistung durch die bessere Ausnutzung der Brennstoffenergie zur Verfügung.

Die Kooperationslösung hätte erhebliche Vorteile für die Stadt: Absoluten Vorrang hätte die Wärmeversorgung Freilassings, Salzburg würde nur die überschüssige Wärme abnehmen und vor allem im Sommer für einen Wärmeabsatz sorgen. Das hätte die Wirtschaftlichkeit des Projekts enorm gesteigert. Die Verbundlösung hätte auch bedeutet, dass Spitzenlast- und Ersatzwärme im Bedarfsfall aus Salzburg geliefert werde und entsprechende Anlagen in Freilassing nicht gebaut werden müssten. Zusätzliche Ölkessel, Vorratstanks oder Kamine wären in Freilassing nicht mehr erforderlich.

Der zwischen beiden Partnern vereinbarte Zeitplan sah vor, im Jahr 2011 mit der Errichtung von Heizkraftwerk und Fernwärmenetz zu beginnen, die Aufnahme der Wärmelieferungen in Freilassing war für Ende 2011 vorgesehen, ebenso die Stromeinspeisung. Für die Jahre 2012 bis 2015 war der Ausbau des Fernwärmenetzes geplant.

Bürgerentscheid: Projekt "Biomasseheizkraftwerk" nicht weiter verfolgen

Die Freilassinger Bürger entschieden jedoch durch einen Bürgerentscheid am 20. Juni 2010, das Projekt "Biomasseheizkraftwerk" unter Beiteiligung der Stadt nicht weiter zu verfolgen.

Biomasseheizkraftwerk Freilassing in Kooperation mit der Salzburg AG
Fossile Brennstoffe sind endlich

Der Wissenschaftler Dr. Jens Kuckelkorn vom Bayerischen Zentrum für Angewandte Energieforschung e.V. eräuterte in einem Vortrag im April 2009 im Rathaussaal die verschiedenen Aspekte zur regenerativen Wärme- und Stromerzeugung und verdeutlichte dabei ganz konkret die kommenden Probleme zur Endlichkeit fossiler Brennstoffe sowie die Folgerungen daraus. Die Schere von Angebot und Nachfrage würde schon in wenigen Jahren bei Öl und Gas deutlich auseinanderdriften, so der Experte, was letztlich zu unkalkulierbaren Preissteigerungen führen werde. Jetzt bereits für Abhilfe zu sorgen, entspreche einer soliden Zukunftsplanung von Gemeinden oder Landkreisen.

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